Mein Beitrag im Deutschlandfunk über Klimaschutz Compensators, die von Spendeneinnahmen CO2-Zertifikate aus dem EU-Emissionshandel aus dem Verkehr ziehen
Fliegen, Heizen, Autofahren, Einkaufen. Bei fast allem, was wir tun, verursachen wir Treibhausgase. Diese befeuern die Erderwärmung. Wer dem entgegenwirken will, kann mit einer Spende an vermeintliche oder tatsächliche Klimaschutzprojekte seine Treibausgas-Emissionen „ausgleichen“. Doch viele dieser sogenannten Kompensationen halten ihre Versprechen nicht. Niemand weiß zum Beispiel, wie lange Wälder stehen bleiben, die aus den Spenden für den CO₂-Ausgleich finanziert werden. Auch die Wirkung anderer Projekte irgendwo im „globale Süden“ lassen sich kaum kontrollieren. Deshalb kaufen einige Anbieter mit den Spenden der Industrie weg. Wer es richtig macht, hilft damit dem Klimaschutz. Robert B. Fishman hat nachgefragt:
Industriebetriebe, Kraftwerksbetreiber und andere Unternehmen in Europa müssen Verschmutzungsrechte kaufen, bevor sie klimaschädliche Treibhausgase in die Luft pusten. Das System nennt sich Europäischer Emissionshandel, kurz ETS. Aktuell kostet das Emissionsrecht für eine Tonne CO₂ knapp 100 Euro. Vor ein paar Monaten waren es noch 80 Euro. Wer die Zertifikate nicht braucht, weil er oder sie weniger Treibhausgase ausstößt, kann die Emissionsrechte weiterverkaufen. So hat sich ein Markt für Verschmutzungsrechte gebildet. Je teurer diese Zertifikate werden, desto rentabler werden Investitionen in den Klimaschutz.
Michael Pahle vom Potsdam-Institut für Klimaforschung ist davon überzeugt, dass das funktioniert:
O-Ton 01
… Wir haben mit den Beschlüssen auf europäischer Ebene dann in den nächsten Jahren rund 70 % der gesamten Emissionen unter diesem Deckel. Der Deckel geht sukzessive nach unten, schon im Jahr 2040 wird er bei null sein.….Und damit setzt der Emissionshandel eben auch den Takt für Dekarbonisierung und tut das in einem relativ schnellen Schritt.
Es gibt Initiativen, die den Emissionshandel nutzen, um die Dekarbonisierung zu beschleunigen. Sie sammeln Spenden und kaufen mit dem Geld Verschmutzungsrechte, die die Industrie dann nicht mehr nutzen kann. Die ehrenamtlich arbeitenden Compensators sind eine davon. Vorstandsmitglied Hendrik Schuldt erklärt die Idee so:
O-Ton 02
… Die so aufgekauften Zertifikate lagern wir dauerhaft auf unserem Konto im Unionsregister. Das ist die zentrale Aufbewahrungsstelle für alle Zertifikate im System. Und wir haben dann verschiedene Barrieren errichtet, die sicherstellen, dass so einmal eingelagerte Zertifikate nicht wieder auf den Markt zurückkommen.
Das bewirkt dann eben, dass die Unternehmen nicht auf diese Zertifikate zurückgreifen können.… In Folge müssen sie also ihre Emissionen reduzieren. … sodass letzten Endes der ökonomische Anreiz für Investitionen in klimaschonende Technologien und Verfahrensweisen steigt.
Je mehr Verschmutzungsrechte so dem Markt entzogen werden, desto schneller steigt der Preis. Das funktioniert, solange die EU nicht wieder neue Zertifikate billig oder kostenlos auf den Markt wirft.
O-Ton 03
Korrekt. Das ist ein Risiko für Compensators. … Wichtig zu verstehen ist allerdings, dass die Kompensation innerhalb des Emissionshandels immer dann funktioniert, wenn der Emissionshandel … ein ambitioniertes Klimaschutzinstrument ist. Das heißt, dass die insgesamt zur Verfügung … gestellten Zertifikate über die Zeit hinweg bis zur Erreichung der Klimaneutralität geringer sind als die business as usual Emissionen. Das heißt also, dass der Emissionshandel eine Knappheit von Zertifikaten produziert. …
Schuldt ist sich sicher, dass die Europäische Kommission ihre Klimaziele ernst nimmt und deshalb den Markt nicht wieder mit kostenlosen Zertifikaten fluten wird.
Michael Pahle vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung lobt den Ansatz auch aus einem anderen Grund:
O-Ton 04
… Denn es ist ein klares Signal an die Politik, … dass es Menschen gibt, die bereit sind, … mehr für Klimapolitik zu bezahlen … man macht das nicht nur symbolisch.… Also mittlerweile bezahlen wir ja für die vermiedene Tonne rund 100 € pro Tonne. Und das sind die Menschen bereit zu bezahlen.
Es gibt weitere Anbieter, die von Spendengeld Verschmutzungsrechte aus dem Europäischen Emissionshandel aufkaufen, so For Tomorrow oder Cap Two. Bis Ende Februar haben allein die Compensators mit 835.000 Euro Spenden-Einnahmen Verschmutzungsrechte für mehr als 12.000 Tonnen Treibhausgase aus dem Verkehr gezogen.